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Zungenreinigung und Mundgeruch

Liebe Patientin, lieber Patient,
Um Ihre tägliche Mundhygiene zu optimieren, haben wir Ihnen die mechanische Zungenreinigung empfohlen, idealer Weise 2-3mal pro Tag. Als Reiniger kommen sowohl Zahnbürsten als auch spezielle Zungenreiniger in Frage. Die Reinigung der Zunge gehört in anderen Kulturkreisen zur „normalen“ täglichen Mundhygiene. Eine regelmäßige Zungenreinigung kann eine Verminderung des Belages um bis zu 75% bewirken.

Etwa jeder 4te Deutsche leidet an Mundgeruch, Halitosis genannt, vor allem nach dem Aufstehen, 6% sind sogar ständig davon betroffen. Wer davon betroffen ist, merkt es oft gar nicht. Die nähere Umgebung dafür umso mehr. Doch in den wenigsten Fällen ist der schlechte Atem auf eine Magenkrankheit zurück zu führen. In bis zu 90% der Fälle liegen die Ursachen für schlechten Atem in der Mundhöhle, in Form von geruchsbildenden Mikroorganismen.
Kein Wunder: Bei wohligen 32-40°C ist der Mund eine ideale Brutstätte für Bakterien, die sich mit Vorliebe dort ansiedeln, wo die Zahnbürste kaum hin-kommt, wie z. B. Zahnfleischtaschen, Zahnzwischenräume oder die raue Zungenoberfläche, die alleine ca. 60% der Bakterien der gesamten Mundhöhle beherbergt. Zusammen mit Speiseresten, abgestorbenen Schleimhautzellen und Speichel bilden diese den typischen pelzig-weißen Belag der Zunge. Und genau dort entstehen die übel riechenden Substanzen – hauptsächlich flüchtige Schwefelverbindungen. In 41% der Fälle entsteht Halitosis durch Zungenbelag.

Abhilfe kann daher meistens schon eine optimierte häusliche Pflege der Zähne – und der Zunge – schaffen, zusammen mit professioneller Zahnreinigung.
In 28% ist die Ursache für Halitosis eine unbehandelte Parodontitis (bekannt als Zahnfleisch-schwund), in weiteren 21% eine Gingivitis/ Zahnfleisch-entzündung. Beides bedarf zusätzlich dringend einer geeigneten zahnärztlichen Behandlung, um einem vorzeitigen Zahnverlust vorzubeugen.

Ein geringerer Speichelfluss, der z. B. nachts auftritt, aber auch durch Medikamente wie Antide-pressiva oder Betablocker ausgelöst werden kann, begünstigt den Mundgeruch, ebenso langes Reden, eine ständige Atmung durch den Mund, Schnarchen, Stress, Rauchen oder auch Fasten.

Auch Ernährungsgewohnheiten können bei Halitosis eine Rolle spielen. Flüchtige, geruchsbil-dende Substanzen aus dem Blut können in der Lunge in die Atemluft gelangen, wie z. B. bei Alkohol, Zwiebeln oder bei Knoblauch (auch Knoblauchpillen) sogar für bis zu 72 Std. nach dem Verzehr.

Durch eine gründliche und regelmäßige Reinigung der Zunge wird nicht nur die Mundhygiene – und damit der Atem – deutlich verbessert, sondern auch letztendlich die Zahngesundheit gestärkt. Durch eine insgesamt geringere Konzentration der Plaquebakterien kommt es zu einer Reduktion der Zahnbelag-Neubildung. Da die Zunge ein Infektionsherd für Karies und Erkrankungen des Zahnhalteapparates sein kann, ist die Zungenreinigung eine wichtige Prophylaxemaßnahme. Eine regelmäßige Zungenreinigung kann ferner zu einer merkbaren Verbesserung der Geschmacksempfindung führen. Zusätzlich sollten Sie viel trinken, weil das den Speichelfluss anregt und das Austrocknen der Schleimhäute verhindert.


Anwendung von Zungenreinigern
Der Zungenreiniger sollte grundsätzlich von ganz hinten nach vorn gezogen werden, mit nur leichtem Druck. Dieser Vorgang sollte solange wiederholt werden bis nur noch ein gering-fügiger Belag sichtbar ist. Das Schließen der Augen dabei und gleichmäßiges durch die Nase Atmen, kann hilfreich sein, um einen möglichen Würgereiz zu minimieren. Auch durch regel-mäßiges Zungenreinigen lässt ein Würgereiz nach wenigen Tagen nach.


Bei starker Halitosis…
…kann die Zungenreinigung unterstützt werden durch spezielle antibakteriell wirkende Spüllösungen und Zahnpasten, evtl. auch Lutschpastillen oder Kaugummis (letztere sind in ihrem Langzeiterfolg wenig untersucht, sollten aber unbedingt zuckerfrei sein, wobei der Zuckeraustauschstoff Xylit zusätzlich antibakteriell wirkt). Dabei sollte auf Wirkstoffe geachtet werden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft ist, wie Chlorhexidindiglukonat, kurz CHX (z.B. „Chlorhexamed“), Cetyl-Pyridinium-Chlorid, kurz CPC, Wasserstoffperoxid, Triclosan (z.B. „Colgate Total Zahncreme“), Zinkchlorid („z.B. Odol-med3 Exteme Zahncreme“), Amin- und Zinnfluorid (z.B. Meridol Produkte) bzw. essentielle Öle („Listerine“). Die Zahnpasten können dabei auch auf der Zunge verwendet werden. Die Hemmung der Geruchsbildung ist zeitlich auf einige Stunden begrenzt. Wegen möglicher Nebenwirkungen sollte das gut wirksame CHX allerdings nur kurzfristig eingesetzt werden (es führt außerdem in der Regel vorübergehend zu Zahnverfärbungen und Geschmacksirritationen). Der Nutzen vieler Hausmittel oder oraler Kosmetika durch die Industrie ist bisher nicht bewiesen.

Sollte der schlechte Atem trotz aller Bemühungen (inklusive 1wöchiger CHX-Spülungen, 2mal tgl.jeweils10ml für ca. 30 Sek) nicht verschwinden und keine Ursache im Mundraum festgestellt werden, muss auch eine Ursache im Hals-Nasen-Rachenraum in Erwägung gezogen werden (ca. 8% der gesamten Halitosisfälle, wobei die häufigste Ursache hier eine chronische Mandelentzündung, seltener eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung ist). Nur in ca. 2% liegen ernsthafte, chronische Erkrankungen vor, wie z.B. Diabetes, Lebererkrankungen oder bakterielle Infektionen der Bronchien oder der Lunge. In dem Fall müsste ein HNO-Arzt bzw ein Internist aufgesucht werden.

Ihr Praxis Team